Wochenendhaus

Ein Ort

Eine ehemalige Dorfschule wird renoviert. Idyllisch! Im Grünen! Sarah Khan erzählt herrlich süffisant vom Suchen und Finden und Renovieren. Im und am Wochenendhaus. Und zeigt damit, dass der Wunsch, die Entfremdung von der Natur zurückzudrehen, uns auf die eigene Natur und ihre Grenzen zurückwirft.

Mit Illustrationen von Inga Israel, overnight lieferbar im Buchhandel
4,99€ E-Book
ca. 400 Seiten auf dem Smartphone
ISBN 978-3-944543-78-9

11,99 Taschenbuch
96 Seiten
ISBN 978-3-944543-77-2

März 2019

„Was soll man allein auf der Wiese?“
Zeit Online

„Ein irrsinnig lustiges Buch sowohl für Wochenendhausbesitzer und solche, die es niemals werden wollen.“
Lore Hart, Amazon-Rezension

Inhalt: Wochenendhaus

Mehr Zeit im Grünen, auf dem Lande: Sarah Khan nimmt uns mit in diese Sehnsucht. Wie überhaupt das richtige Domizil finden? Wie mit den Alteingesessenen klarkommen, konkret: Zugezogene vs. Einheimische, Unkrautliebe vs. korrekte Blumenrabatte, Sonntagsmäher vs. Sonntagsruhe? Und warum verbringt man mehr Zeit in Baumärkten und in Gartenkluft als im Liegestuhl? Ist das „Häuschen“ eigentlich überhaupt irgendwann mal fertig? Täte es nicht auch ein Bauwagen? Nein? Und warum nicht?

Ein persönlicher, oft augenzwinkernder und manchmal ein klein bisschen fieser Abgleich von Wunsch mit Wirklichkeit. Mit Tipps für ein gelingendes Teilzeit-Landleben.

Der zweite Band unserer Serie über Orte. Lesen Sie auch die essayistische Annäherung an den Bahnhof von Jan Fischer.

Termine & Buchverkauf

  • Samstag, 30. März 2019, Berlin, 16 Uhr: BUCHPREMIERE. Lesung und Gespräch mit Sarah Khan aus Wochenendhaus, dazu gibt es Donauwelle und Salatsamen-Tütchen. Buchhandlung Die Insel, Greifswalder Str. 41. Eintritt frei.
  • Samstag, 27. April 2019, Berlin, 16 Uhr: Lesung im Café der Blumentischlerei, Bremer Str. 41, 10551 Berlin-Moabit. Eintritt frei.

Einmal bekam ich mit, wie die Suche nach einem Ferienhaus laufen kann, wenn es nicht gut läuft. Eine feine Hamburgerin fuhr mit SUV und Rassehund auf den Gutshof. Sie ging ins Hofcafé und bestellte einen Milchkaffee, pickte in ihrem Kuchen und sprach die Kellnerin in süßester Stimme auf die Situation des örtlichen Immobilienmarktes an. „Wir würden gerne in der Nähe ein Grundstück oder ein Haus kaufen“, sagte die Hamburger Dame. „Damit wir unsere Kinder und Enkelkinder am Wochenende hier treffen können. Die Prignitz liegt so günstig zwischen Hamburg und Berlin, verstehen Sie? Wissen Sie, ob gerade etwas zum Verkauf steht?“

Die Kellnerin, die aus chronischem Personalmangel immer alles gleichzeitig macht, Kuchen backen, kellnern, Reitkarten verkaufen, Mittagstisch kochen, Beschwerden managen, Wollschwein-Koteletts wahlweise einfrieren oder auftauen, blieb mitten in der Bewegung stehen und sah der Dame tief in die Augen.

„Tut mir leid, im Moment gibt es hier nichts. Aber wenn was frei wird, rufe ich Sie gerne an.“ Die Dame holte aus ihrer Louis-Vuitton-Handtasche eine Visitenkarte. Sie war die Besitzerin einer Company, stand darauf. Denn kaum war sie abgefahren, wurde die Visitenkarte an alle Neugierdsnasen im Café weitergereicht. Dann schaute mich die Kellnerin ganz ernst an. „Wir sagen nicht, wo was frei steht, das sollst du haben.“ Ich spürte tiefe, tiefe Dankbarkeit. Ich war plötzlich ein Mensch, dem es gebührte, von der einheimischen Bevölkerung einen Geheimtipp zu bekommen. Das potenziell schönste Haus mit dem potenziell schönsten Garten in der ganzen Prignitz sollte meins werden, ich bekam es für fünfundzwanzigtausend Euro.

Nicht weil ich reich wäre, das war ich nicht, selbst für diese überschaubare Summe mussten wir einen Kredit aufnehmen, was zu einem langwierigen und schwierigen Akt wurde, da wir beide damals noch selbstständig waren. Aber das Beste an Brandenburg ist, dass die Leute noch sehr gewissenhaft zwischen gut und böse unterscheiden können. Reiche Wessis kommen so irre unsympathisch rüber, dass die Einheimischen am liebsten zur Mistgabel greifen würden. Was sie aber bei den dicken und nicht so reichen Wessis, wie wir es sind, die dazu noch den Donauwellenfresstest bestehen, nicht tun.

Daher lautet mein Tipp an jene, die mit dem Gedanken spielen, ländliche Gebiete auszukundschaften, um ein Haus auf dem Land zu kaufen: Lassen Sie es bleiben. Sie bekommen nix. Aber sollte es Hoffnung für Sie geben, seelisch gesprochen, dann mieten Sie sich an Wochenenden in einer netten Landpension ein oder auf einem Gut oder in einem Inhaber geführten Landhotel und werden Sie ein guter Gast. Falls Ihnen das Leben als Gast gefällt, seien Sie zufrieden, Sie müssen nichts kaufen. Das Kaufen ist ein großer Quatsch und auch eine Überforderung. Ich bin mittlerweile auch schwer überfordert mit meinem Haus. Es summen nicht jeden Tag Hummeln durchs Leben. Es nisten auch Hornissen in der Zwischendecke und knabbern am Stromkabel, und plötzlich sitzt man nachts auf dem Klo und das Licht fällt aus, und man fragt sich, ob das alte Haus irgendwann mal schön sein wird, einfach nur schön. Und wenn ich behaupte, mein Garten sei der schönste weit und breit, dann muss ich gestehen, die Nachbarn haben da eine ganz andere Meinung. „Das ist doch nur Unkraut, was bei euch wächst.“ Ja, Horst, lieber Nachbar, aber ich kann nun mal nicht jeden Tag gießen, und bei der armen Erde, die hier zum Teil nur 16 von 100 Bodenpunkten hat, blühen Rosen nur, wenn man sich das zur Lebensaufgabe macht. Dafür kommt die Große Brennnessel sehr gut.

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Die Autorin

Sarah Khan, geboren 1971, ist Schriftstellerin und lebt in Berlin. Sie wuchs zwischen dem evangelischen Pastorat ihres Großvaters und dem Haushalt ihres Vaters, einem Teppichhändler aus Pakistan, in Hamburg auf. Sie studierte Volkskunde und Germanistik und veröffentlichte zwischen 1999 und 2004 die Romane Gogo-GirlDein FilmEine romantische Maßnahme. Bei Suhrkamp erschien 2009 ein Band zeitgenössischer Spukgeschichten, Die Gespenster von Berlin. Unheimliche Geschichten (erweiterte Neuauflage 2013) und 2017 die eBay-Geschichten Das Stammeln der Wahrsagerin. Sie publiziert regelmäßig Reportagen und Essays in Tageszeitungen und Magazinen. 2012 erhielt Sarah Khan den erstmals gestifteten Michael-Althen-Preis für Kritik der FAZ. Im Frühjahr 2019 veröffentlichte sie bei mikrotext das Buch Wochenendhaus, 2013 erschienen die Novelle Der Horrorpilz, 2018 die Geschichte Weihnachten mit Hüsniye. Mehr auf der Webseite von Sarah Khan.