Patras Bwansi, Lydia Ziemke: Mein Name ist Bino Byansi Byakuleka. Doppel-Essay

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9783944543208Dieser Doppel-Essay wird unser Denken zu Migranten und Migrantinnen völlig umkrempeln: über die Asylerfahrung von Patras Bwansi, einem der bekanntesten Aktivisten für die Rechte von Flüchtlingen, und über die Paradoxien des Helfens von Lydia Ziemke.

Erschienen Mitte Januar 2015
ca. 140 Seiten auf dem Smartphone, mit 6 Fotos und einigen Asyl-Dokumenten aus dem privaten Besitz von Patras Bwansi
ISBN 978-3-944543-20-8

Erhältlich bei:
Amazon beam buecher.de Google Play Hugendubel iTunes Kobo Thalia ocelot Osiander und im Buchhandel.

Also available in English.

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Inhalt

Könnten Sie sich vorstellen, ein Flüchtling zu sein und wie ein Krimineller behandelt zu werden? Nicht wie ein Mensch? Wie würden Sie gerne willkommen geheißen werden? Mit Patras Bwansi können Sie diese Erfahrung nacherleben. Er beschreibt sein Aufwachsen in Uganda mit Schulschlägen, die ständige bürokratische Überwachung in den deutschen Aufenthaltslagern, aber auch den Ausbruch in einen Protest hinein, der menschenfreundliche Rechte fordert. Dass diese nur mit einem politischen und gesellschaftlichen Umdenken kommen werden, zeigt Lydia Ziemke in ihrem Text, der von ihrer künstlerischen Arbeit mit Flüchtlingen inspiriert ist. Wer jetzt schon mehr über Bwansis Aktivismus lesen will, kann hier sein Manifest kostenlos als PDF herunterladen.

„Autobiographisch angelegte Short Cuts.“ (Simone Schlosser, WDR5)

„Zudem reflektiert Lydia Ziemke in ihrem sehr guten kritischen Aufsatz über die ‚Paradoxien des Helfens’ den eigenen Versuch, einem jungen Marokkaner den Weg in den deutschen Alltag zu bahnen. Sie erfährt dabei ‚lebensecht’, was Hannah Arendt 1943 im Essay ‚We Refugees’ postuliert hat, nämlich dass ‚Nächstenliebe erst dann wirksam werden kann, wenn den Flüchtlingen staatliche Gerechtigkeit widerfahren ist’.“ (Elke Heinemann, FAZ)

„Wir müssen lernen, die Klischees hinter dem Begriff Asylbewerber zu sehen. Das Büchlein ist dafür ein guter Anfang.“ (Susanne Memarnia, taz)

„Mir war beim Lesen, als würde ich ewig in einem Transitraum festgehalten werden, zumal die Worte in Bwansis Essay die Kraft haben, wie Schlaglichter Gefühlszustände zu beleuchten, die ich, mit Ausweisen und Karten bestückt, sonst nicht habe.“ (Tania Folaji, Elektro vs print)

„Die beiden Texte sollen unser Denken über das Thema völlig umkrempeln, heißt es in der Verlagsankündigung und, das trifft bei so vollmundigen Ankündigungen selten ein, es stimmt.“ (Kevin Junk, Fixpoetry)

„Wer in der Flüchtlingsdebatte mitreden will, sollte das gelesen haben.“ (Kerstin Scheuers Blog auf Twitter)

Ich hatte nicht erwartet, dass sie zu allererst meine Fingerabdrücke nehmen würden, ein komischer Auftakt. Die Türen gingen erst um halb zwei Uhr auf, und nach der Abgabe der Fingerabdrücke stellten sie mir nur ein paar schnelle Fragen, nach meinen Namen, wo ich herkam und warum ich da war. Ich wollte gar nicht so viel reden, ich war sehr, sehr müde. Ich zeigte ihnen nur meine Tasche und sagte: „Alles, was ich bin und was ich habe, ist hier.“ Ich musste ein Formular ausfüllen und auf weitere Fragen warten. Nach einer Stunde gaben sie mir 25 Fragen, und endlich dachte ich, das war es jetzt, jetzt würden sie mir Asyl geben. Aber weit gefehlt. Das war nur die Einleitung für die deutsche Bürokratie! Diese Leute in der Turmstraße sahen sehr müde davon aus, Leute zu begrüßen. Sie sahen generell der Leute überdrüssig aus, die da voller Hoffnung vor ihnen standen. Ihre Augen und Körper drückten es aus: „Ihr Schwarzen, warum kommt ihr hierher? Wir haben so viele andere, die wir betreuen müssen, geht woanders hin!“ Sie machten ganz offenbar eine Unterscheidung zwischen mir und denen, die auf ihren Zetteln als „berechtigt“ eingeteilt waren. Die Hierarchie von Flüchtlingen war auch eine Überraschung für mich.

Die Autoren

Patras Bwansi quadratischBino Byansi Byakuleka, auch bekannt als Patras Bwansi, wurde 1979 in Kabale, Uganda geboren. Er ist Textilkünstler und lebt derzeit in Berlin. Neben der Schule engagierte er sich schon mit jungen Jahren in der orthodoxen Kirche in Uganda. Er machte sein Diplom in Industrial Art and Design an dem Buganda Royal Institute of Art and Technical Education im Stadtteil Mengo in Kampala. 2007 ging er mit einem Ikonographie-Stipendium an das St. Arsenios-Kloster und die School of Creative Art in Ormylia, Griechenland. Im August 2010 beantragte er Asyl in Deutschland und lebte fast zwei Jahre im Flüchtlingslager in Breitenburg in der Nähe von Passau in Bayern. Im August 2012 stellte er dort ein Protestzelt im Klostergarten-Park auf, im Oktober zog er in das große Protestcamp von Flüchtlingen am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg. Seitdem versteht er sich als politischer Aktivist in Vollzeit, sein Fokus liegt auf den LGBTIQ-Rechten und Veränderungen im deutschen Asylrecht. 2013 gründete er die African Refugees Union (ARU) und 2014 startete er die Kampagne WE ARE BORN FREE! MY RIGHT IS YOUR RIGHT, deren Ziel es ist, Flüchtlinge stärker in den normalen Alltag zu integrieren.

Lydia Ziemke 2014 Lydia Ziemke, geboren 1978 in Potsdam, studierte alte Sprachen und vergleichende Sprachwissenschaften an der Universität Edinburgh und Regie an der London Academy of Music & Dramatic Art. Sie lebt in Berlin. Als freie Regisseurin arbeitete sie bisher etwa für die Schaubühne in Berlin und das Royal Court Theater in London. 2009 gründete sie die internationale Compagnie suite42 mit Kollegen aus Irland, England und Frankreich. Am Heimathafen Neukölln realisierten sie in den letzten drei Jahren Inszenierungen von Texten arabischer zeitgenössischer Autoren in der Reihe LILA RISIKO SCHACHMATT. Ziemke erarbeitet zunehmend Hörspiele und Features, zuletzt für Deutschlandradio einen Essay über die Protestbewegung der Flüchtlinge am Oranienplatz in Berlin. Patrick Wildermann nannte sie in Theater der Zeit eine „Übersetzerin des Unaussprechlichen“. Aktuell konzipiert und ko-moderiert den Salon ÜberMorgenLand im Radialsystem V, Berlin.


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