Jan Fischer: Ihr Pixelherz. Eine Love Story

Cover - Jan Fischer - Ihr PixelherzEr lebt in zwei Welten. Tagsüber fleißig mit Job und lieber Freundin, nachts, online, trifft er die Frau mit dem perfektem Lächeln. Eine abenteuerliche Affäre beginnt, die ihn immer tiefer ins Netz zieht.

Erschienen am 7. Juni 2015
ca. 150 Seiten auf dem Smartphone
ISBN 978-3-944543-23-9

Erhältlich bei:
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Inhalt

Sie hinterlässt ihm Nachrichten, lockt ihn an verlassene Orte, berührt ihn da, wo sein Geschlechtsteil sitzen müsste, in einer virtuellen Welt, die ihre besten Tage hinter sich hat. Und sie warnt ihn vor kommender Gefahr. Als sie eines Tages plötzlich in die Tiefe stürzt, ahnt er, dass sie mit ihren Befürchtungen Recht haben könnte. Denn bald bricht auch in seinem Leben alles zusammen. Doch er gibt nicht auf und sucht weiter nach ihr. Was als kleine Affäre begann, wird zu einem Abenteuer, zu einer wirklichen Bedrohung von allem, was sein Leben ausmacht.
Ein programmierter Kuss mit einem Avatar, digitale Wesen in der Straßenbahn, summende Luft: Jan Fischer nimmt uns in “Ihr Pixelherz” mit auf eine spannende, emotionale und phantastische Wanderung.

Weit mehr als eine Online-Liebesgeschichte. (Kerstin Scheuer, Blog)

Lieben in der digitalen Welt und leben in der realen Welt? … Eine tiefgründige, schöne Kurzgeschichte. (Mondgesicht, Amazonrezension)

Ihr Pixelherz ist ein digitaler Text über digitale Verwahrlosung, der genauso gut Teil eines klassischen Erzählbandes sein könnte. Es ist fast ein bisschen schade, dass angesichts der Thematik die Möglichkeiten digitalen Erzählens nicht noch weiter ausgelotet wurden – besonders visuell wäre hier einiges möglich gewesen. Auch Jan Fischers Essay über die digitalen Ruinen des second life hätte sich gut als „Bonusmaterial“ geeignet. Andererseits hat seine gelungene Erzählung etwaige Spielereien eigentlich nicht nötig: Sie trägt sich nämlich auch ganz altmodisch selbst. (Frank Rudkoffsky, Blog)

Ich sah sie zum ersten Mal zwischen Grafikfehlern an einem Nacktbadestrand. Die Palmen neigten sich in kalkulierten Winkeln Richtung Wasser und schwankten in Zufallssequenzen, als gäbe es Wind, die Sonne ging nie unter, sie hing starr immer an derselben Stelle im Hintergrund.
Die Grafikfehler waren meine. Mein Körper war billig, gratis, voller kantiger, ungenauer Animationen, ein Standardkörper, der mehr wie eine Puppe als wie ein Mensch über den Strand stolperte, manchmal verschwand ein Stück davon in einer Palme, wenn ich dagegen stieß, als sei sie nicht komplett solide, manchmal sank er bis zum Oberkörper in den Sand. Ich hatte es noch nicht geschafft, ihn auszuziehen, er hatte, soweit ich weiß, auch keine Geschlechtsorgane.
Sie hatte einen teuren Körper. Sie hatte ihn ausgezogen und auf einem Handtuch abgelegt, ich zoomte über meine Schulter darauf zu. Unter ihrer Haut spielten, selbst wenn sie lag, zarte Skripte, ihre Brüste hoben und senkten sich in einer Atemanimation, hin und wieder schlug ihr Körper die Beine übereinander oder zog sie an, sogar ein Herzschlag pulsierte in ihrer Halsgrube. Nichts an ihr flackerte, ihre Beine und Arme sanken nicht in den Sand, keine ihrer Bewegungen wirkte wie nicht zu Ende gedacht.
Sie war diejenige, die mich ansprach, ihr Körper räkelte sich, streckte sich lang, als hätte ich sie geweckt, sie stand auf, wieder ein flüssiges Skript, eine Bewegung, die nichts von meinem puppenhaften Umherstolpern hatte. Ihr Körper war größer als meiner.
Vorher war ich eine Zeit lang, zwei, drei Stunden vielleicht, durch einen pixeligen Wald gelaufen, in dem es keine Bäume gab, sondern Blöcke mit Baumtexturen, ich verwechselte sie nur von weitem mit Wald. Ich war über ein Meer geflogen und versuchte, meine eigene Spiegelung darin zu erkennen, so lange, bis das Meer sich auf meinem Bildschirm zu einer weißen Fläche ohne Schatten auflöste. Ich besuchte zufällige Orte und vertrieb mir damit die Zeit bis zum Morgen.
Ich schlief nachts schlecht. Ich war aufgestanden, so leise wie möglich, um Anna nicht zu wecken, hatte mich an den Computer gesetzt und den Ton der Lüftung mitgesummt, als sie ansprang. Ich hatte die Welt gefunden und mir aus Langeweile einen Körper gebaut. Es war dunkel draußen, mitten in der Nacht.

Der Autor

Jan_Fischer_Foto_PortraitJan Fischer, Jahrgang 1983, aufgewachsen zwischen Bremen und Toulouse. Zwischen 2003 und 2010 studierte er Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Als freier Journalist arbeitet er unter anderem zu digitalen Spielen, Theater und Literatur, oft für Zeit Campus, nachtkritik.de und die WASD. Prosa erschien von ihm unter anderem in der Bella Triste und dem Poet. 2013 war er Finalist des MDR-Literaturpreises. Er ist Herausgeber von “Air Guitar Heroes. Vom Spielen der Luftgitarre” (Blumenkamp Verlag, 2012) und “Irgendwas mit Schreiben. Diplomschriftsteller von Beruf” (mikrotext, 2014). Zur Zeit arbeitet als hauptsächlich als freier Autor und Journalist. Außerdem als Teilzeittexter für einen Online-Spielzeughandel in Hannover. Er ist international bekannter Luftgitarrist. http://jan-fischer.blogspot.de, @nichtsneues


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