Null Komma Irgendwas

Roman

Die rumänische junge Autorin Lavinia Braniște hat einen absolut zeitgültigen, europäischen Roman über die strengen Strukturen geschrieben, die sich heute über unsere Leben stülpen – und wie wir kleine Siege über sie feiern können. Das perfekte Glück dürfen wir nie aus den Augen verlieren.

E-Book 12,99€
ISBN 978-3-944543-60-4

Hardcover 21,99€
288 Seiten
ISBN 978-3-944543-61-1

1. März 2018

„Es ist ein undeutsches Buch, finde ich, im positiven Sinne, weil sie wirklich auf Normalität setzt und dabei keine spleenige Figur braucht, und weil sie nicht dieses Um-jeden-Preis-Verdichten mitmacht, sondern selbst in Szenen noch offen und panoramatisch bleibt. Aber nie verlabert ist.“
– Jan Böttcher

„Ein einzigartiges, authentisches und mutiges Buch, und ein notwendiges.“
– Observator cultural

„Nein, du kannst die Zukunft nicht erraten, aber du kannst irgendwie mit der Gegenwart umgehen … Ein Überlebenshandbuch, ein Leitfaden zum Atmen.“
– Bookaholic.ro

Gefördert vom Rumänischen Kulturinstitut und Deutschen Übersetzerfonds
Deutsche Erstausgabe (Lizenz: Polirom)

Termine

  • Berlin, 13. März, 20 Uhr – Pre-Launch mit der Autorin und der Übersetzerin, Vierte Welt, Kottbusser Tor
  • Leipzig, 15. März, 13 Uhr – Launch rumänische Short Story-Sammlung, Romanian Stage, Buchmesse
  • Leipzig, 15. März, 14 Uhr – Homosexualität in der Literatur, Moderation: Thorsten Dönges, TRADUKI Stage, Buchmesse
  • Leipzig, 16. März, 14 Uhr – „Breaking the isolation“: How do translators in Romania and elswhere organise networks and other initiatives. Moderation: Katy Derbyshire, Halle 4, Stand C500, Buchmesse
  • Leipzig, 17. März, 16 Uhr – Round Table: Bukarest, place of imagination, Romanian Stage, Buchmesse
  • Leipzig, 17. März, 20 Uhr – Balkan Night, UT Connewitz
  • Osnabrück, 19. März, 20 Uhr – Lesung und Gespräch mit Autorin und Übersetzerin, Buchhandlung zur Heide
  • LEIPZIGER BUCHMESSE 2018  – Das Buch ist am rumänischen Stand, Halle 4. E 501 ausgestellt.

Inhalt: Roman

Cristina ist eine junge Frau von heute. Sie ist von einer engen Kleinstadt in die Hauptstadt gezogen. Nun ist sie Assistentin einer Bau-Firma, die gerade mit EU-Geldern ein Home- und Gartencenter am Rande Bukarests errichtet. Sie kämpft mit Rechnungsnummern, Kollegenwitzen und dominanter Chefin. Gleichzeitig hängt sie in einer Fernbeziehung fest, der erste Versuch mit Online-Sex scheitert, eine eigene Wohnung ist in weiter Ferne. Ihre Mutter arbeitet in Spanien im Tourismusgewerbe – und wenn sie dann einmal einfliegt, bringt sie zwar Geld und Gefühle mit, doch nur für kurze Zeit.
Lavinia Braniște erzählt wunderbar frisch, lakonisch und selbstironisch vom Wunsch nach Anerkennung und dem Gift der Erwartungen. Doch auch wenn Cristina an den Zwängen des Alltags zwischen Hypermarkt und Clubnacht zu verzweifeln scheint, rappelt sie sich immer wieder auf. Ein Buch mit und über Frauen, die gleichzeitig schwach und stark sind.

Weitere Titel aus unserem Programm aus osteuropäischen Ländern: die Ukraine-Reportage Ich bin privat hier von Sebastian Christ und Wo der Teufel wohnt, eine Art Road Trip zu Exorzisten in Polen von Nadine Wojcik.

Trotzdem hatte ich einige Sekunden lang, als ich die Tür zum Salon Igiena aufschob, in dem Wissen, dass ich hier nur mit Glatze oder fast kahl herauskommen werde, das Gefühl, dass alles sehr leicht sein kann. Ab und zu kann man das Wurmloch zu einer anderen ähnlichen Welt, in der aber alles leichter ist, doch finden. Wenn ich knien würde, um um etwas zu bitten, wenn ich das wirklich aufrichtig tun könnte, auf die Knie gehen, um um etwas zu bitten, würde ich nur so viel verlangen: dass es leicht ist.
Ich springe unter die Dusche und nehme aus Gewohnheit sehr viel Shampoo auf die Hand, was jetzt ein schlechter Witz ist. Mit gespreizten Fingern kann ich meinen Schädel umfassen und ich wundere mich, wie klein er ist. Der Rest von einem Hominiden, nackt bis auf die Knochen.
Darüber, wie es morgen auf der Arbeit sein wird, versuche ich so wenig wie möglich nachzudenken. Alle werden für den ganzen Tag Gesprächsstoff haben und ich werde ihnen meinen extrem ernsten Plan erklären: mir Öl auf den Kopf zu schmieren, um meine Haarstruktur zu regenerieren. Dabei hoffe ich, bei ihnen Mitleid auszulösen, damit sie mich in Ruhe lassen.
Die Wahrheit ist: Es tut mir leid.
Ich setzte mich auf das Sofa und schicke Otilia eine Nachricht: Ich habe mir eine Glatze rasieren lassen. Sie antwortet nicht gleich. Ich schenke mir etwas zu trinken ein, ziehe meine Knie unters Kinn und streiche mit meiner rechten Hand über die verbliebenen Stoppeln. Was für ein unbeschreibliches Gefühl.

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Die Autorin & die Übersetzerin

Lavinia Branişte wurde 1983 in Brăila, im Südosten Rumäniens, geboren. Sie lebt in Bukarest, wo sie als Literaturübersetzerin arbeitet. Sie veröffentlichte zwei Sammlungen mit Kurzgeschichten Cinci minute pe zi (Fünf Minuten am Tag, 2011) und Escapada (Eskapade, 2014), einen Roman (Interior zero, 2016) und drei Kinderbücher. Einige ihrer Kurzgeschichten wurden ins Englische, Französische, Portugiesische, Kroatische und Bulgarische übersetzt. Interior zero wurde mit dem Preis „Nepotul lui Thoreau“ („Thoreau’s Neffe“) als der beste rumänische Roman im Jahr 2016 ausgezeichnet.

Manuela Klenke wurde 1984 in Cluj-Napoca geboren und lebt in Osnabrück. Sie arbeitet als Übersetzerin aus dem Rumänischen. 2008 erschien ihr Buch On Textproduction: The Integral Relationship to Translation (Ko-Autorin Alina Preda).